Rechtsanwalt Frank Feser
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Widerspruchsbelehrung

§ 5a VVG a. F. erforderte eine Widerspruchsbelehrung.

Zeitpunkt

Nach dem Wortlaut des § 5a Abs. 2 S. 1 VVG a. F. kommt es auf die Widerspruchsbelehrung "bei Aushändigung" an. Eine frühere Belehrung, insbesondere eine solche im Antragsformular, ist irrelevant.

Hinweis:

BGH, Urt. v. 10.06.2015 - IV ZR 132/13 -; BGH, Urt. v. 10.06.2015 – IV ZR 374/13 -; BGH VersR 2004, 497; BGH, Urt. v. 22.04.2015 – IV ZR 503/14 -; vgl. auch BGH, Urt. v. 23.06.2009 - XI ZR 156/08 -, NJW 2009, 3020 Rn. 24; ; OLG Stuttgart, Urt. v. 14.11.2013 - 7 U 198/13 -; OLG Köln, Urt. v. 02.05.2014 - 20 U 24/12 -; OLG Hamm, Urt. v. 17.06.2015 - I-20 U 56/14 -; LG Aachen, Urt. v. 29.03.2012 - 2 S 425/11 -; LG Kleve, Urt. v. 20.02.2014 - 6 S 100/13 -; LG Frankfurt (Oder), Urt. v. 01.12.2014 - 16 S 240/12 -; LG Berlin, Urt. v. 13.02.2015 - 23 O 37/12 -; AG Ludwigslust, Urt. v. 01.04.2015 - 5 C 101/13 –; Prölss, in Prölss/Martin, VVG, ünchen, 2004, § 5a Rdnr. 54; Benkel/Hirschberg, Lebens- und Berufsunfähigkeitsversicherung, 2. Aufl., 2011, § 3 ALB 2006 Rdnr. 50.

Eine etwa ausreichende drucktechnische Hervorhebung im Antrag wirkt demzufolge nicht in rechtlich relevanter Weise nach und vermag daher etwaige formelle Fehler späterer Belehrungen nicht zu korrigieren.

Hinweis:

OLG Frankfurt, Urt. v. 29.02.2012 - 7 U 131/11 -; OLG Frankfurt, Urt. v. 08.02.2012 - 7 U 166/11 – unter Hinweis auf BGH NJW 2009, 3020, 3022.

Inhaltliche Aspekte

Laut § 5a Abs. 2 Satz 1 VVG a. F. bedurfte es einer Belehrung über das Widerspruchsrecht, den Fristbeginn und die Dauer.

Form

Unzureichend ist eine Widerspruchsbelehrung, wenn der Hinweis, dass ein Widerspruch nur schriftlich bzw. – ab dem 01.08.2001 – in Textform erfolgen konnte, fehlt. Die in § 5a Abs. 2 S. 1 VVG a. F. geforderte Belehrung über das Widerspruchsrecht schließt nach dem Sinnzusammenhang mit Abs. 1 S. 1 eine Belehrung über die zur Wirksamkeit des Widerspruchs erforderliche Form ein.

Vgl. BGH, Urt. v. 29.07.2015 - IV ZR 448/14 -; BGH, Urt. v. 28.01.2004 - IV ZR 58/03 - VersR 2004, 497; BGH, Urt. v. 05.11.2014 - IV ZR 331/14 -; BGH, Urt. v. 19.11.2014 - IV ZR 329/14 -; BGH, Urt. v. 22.07.2015 - IV ZR 35/14 -; OLG Karlsruhe, Urteil vom 22. Mai 2015 – 12 U 122/12 (14) –, juris; OLG Bamberg, Beschl. v. 20.11.2014 - 1 U 46/14 -; OLG Köln, Urt. v. 16.01.2015 - 20 U 124/14 -; OLG Köln, Urt. v. 21.03.2014 - 20 U 201/13 -; OLG Köln, Urt. v. 20.04.2012 - 20 U 2/12 –; OLG Köln, Urt. v. 30.01.2015 - 20 U 126/13 –; OLG Köln, Urt. v. 20.04.2012 - 20 U 214/11 –; OLG Köln, Urt. v. 03.02.2012 - 20 U 123/11 –; OLG Köln, Urt. v. 07.11.2014 - 20 U 130/14 -; OLG Köln, Urt. v. 29.05.2015 - 20 U 2/12 –; OLG Köln, Urt. v. 02.05.2014 - 20 U 24/12 -; OLG Stuttgart, Urt. v. 20.11.2014 - 7 U 214/12 -; LG Stade, Urt. v. 10.03.2015 - 3 O 157/14 –; LG Memmingen, Urt. v. 13.11.2014 - 12 S 1140/14 -; LG Kempten (Allgäu), Urt. v. 12.11.2014 - 52 S 655/14 -; LG Frankfurt (Oder), Urt. v. 01.12.2014 - 16 S 240/12 -; LG Berlin, Urt. v. 09.10.2014 - 7 O 69/14 -; LG Berlin, Urt. v. 07.11.2014 - 23 O 327/13 -; AG Grimma, Urt. v. 22.01.2014 - 2 C 308/13 -; AG Hannover, Urt. v. 19.11.2014 - 512 C 5948/14 -; AG Karlsruhe, Urt. v. 09.01.2015 - 3 C 168/14 -; AG Pankow-Weißensee, Urt. v. 10.04.2014 - 3 C 361/13 -; AG Villingen-Schwenningen, Urt. v. 27.02.2015 - 11 C 153/14 –; Jacob, jurisPR-VersR 8/2014 Anm. 2.

Absendung

Der Hinweis auf das Erfordernis der „Absendung“ allein vermag den gebotenen Hinweis auf das Erfordernis der Schriftlichkeit, welches bis zur Reform des VVG im Jahre 2001 galt, nicht zu ersetzen.

Hinweis:

BGH VersR 2004, 497; BGH, Urt. v. 05.11.2014 - IV ZR 331/14 -; BGH, Urt. v. 29.07.2015 - IV ZR 448/14 -; BGH, Urt. v. 17.06.2015 – IV ZR 426/13 -; OLG Karlsruhe, Urt. v. 22.5.2015, - 12 U 122/12 -; OLG Köln, Urt. v. 15.08.2014 - 20 U 47/14 -; OLG Köln, Urt. v. 16.01.2015 - 20 U 124/14 -; OLG Köln, Urt. v. 07.11.2014 - 20 U 130/14 -; OLG Köln, Prot. v. 23.06.2015 – 20 U 61/15 –; LG Stade, Urt. v. 10.03.2015 - 3 O 157/14 –; OLG Hamburg, Urt. v. 16.10.2012 - 9 U 77/12 –; LG Köln, Urt. v. 25.03.2015 - 26 O 37/14 –; AG Bad Mergentheim, Urt. v. 09.01.2015 –2 C 114/13 –; AG Grimma, Urt. v. 22.01.2014 - 2 C 308/13 -; AG Karlsruhe, Urt. v. 09.01.2015 - 3 C 168/14 –; A. A. OLG Brandenburg, Urt. v. 04.03.2015 - 11 U 119/13 –; LG Leipzig, Urt. v. 01.04.2015 - 03 S 102/14 -.

Fristbeginn

Eine Widerspruchsbelehrung ist unzutreffend, wenn der Fristbeginn nicht oder nicht richtig angegeben wird. In diesem Zusammenhang ist davon auszugehen, dass die Widerspruchsfrist eine Ereignisfrist im Sinne von § 187 Abs. 1 BGB beinhaltet. Es muss das Ereignis benannt werden, dass die Frist in Lauf setzt.

Hinweis:

BGH NJW 2009, 3572; BGH NJW 1994, 1800; OLG Köln, Urt. v. 07.03.2014 - 20 U 1/14 -; LG Berlin, Urt. v. 24.09.2014 - 24 S 18/12 -.

Zwar brauchen weder das konkrete Datum des Fristbeginns noch die Grundsätze der Fristberechnung (§§ 187 ff. BGB) mitgeteilt zu werden.

Hinweis:

BGH NJW 2010, 3503; OLG Köln VersR 2013, 443.

Formulierungen, die einen von § 187 Abs. 1 BGB abweichenden Fristbeginn nahelegen, führen jedoch zur Unwirksamkeit. Eine korrekte Widerspruchsbelehrung muss hinsichtlich des Fristbeginns darauf hinweisen, dass der Lauf der Frist erst beginnt, wenn dem VN erstens der Versicherungsschein, zweitens die Versicherungsbedingungen und drittens die Verbraucherinformationen vorliegen.

Hinweis:

OLG Köln, Urt. v. 15.08.2014 - 20 U 39/14 -, VersR 2015, 177, 178; LG Berlin, Urt. v. 29.10.2014 - 23 S 25/12 -; LG Berlin, Urt. v. 21.01.2015 - 23 O 226/12 -.

Das Landgericht Mainz weist darauf hin, dass nach § 5a VVG a. F. über den Fristbeginn zu belehren war. Die Frist beginnt nur dann zu laufen, wenn dem VN die notwendigen Unterlagen (Police, AVB und Verbraucherinformationen) und die Widerspruchsbelehrung vorliegen. Zu einer ordnungsgemäßen Belehrung über den Fristbeginn zählt nach Ansicht des LG Mainz demzufolge auch ein Hinweis darauf, dass neben den Unterlagen die ordnungsgemäße Belehrung als fristauslösendes Ereignis vorliegen muss. Wird dieser Umstand nicht erwähnt, sei die Belehrung fehlerhaft. Hierbei sei gleichgültig, ob die Belehrung dem VN nun faktisch vorliegt oder nicht.

Hinweis:

LG Mainz, Urt. v. 02.03.2016 - 4 O 275/13 -.

So ist beispielsweise eine Formulierung des Fristbeginns mit den Worten: "nach Erhalt des Versicherungsscheins", jedenfalls dann zu beanstanden, wenn die weiteren Unterlagen, AVB und Verbraucherinformationen nicht erwähnt werden.

Hinweis:

BGH, Urt. v. 19.11.2014 - IV ZR 329/14 -; BGH, Urt. v. 17.06.2015 – IV ZR 489/14 -; OLG Stuttgart, Urt. v. 23.10.2014 - 7 U 54/14 -; OLG Köln, Urt. v. 25.11.2011 – 20 U 126/11 -; OLG Köln, Urt. v. 21.03.2014 - 20 U 201/13 -; OLG Köln, Urt. v. 17.10.2014 - 20 U 110/14 -; OLG Köln, Urt. v. 03.02.2012 - 20 U 123/11 –; OLG Köln, Urt. v. 02.05.2014 - 20 U 24/12 -; OLG Dresden, Urt. v. 24.02.2015 - 4 U 786/14 –; LG Aachen, Urt. v. 29.03.2012 - 2 S 425/11 -; LG Aachen, Urt. v. 27.05.2011 – 9 O 217/09 -; LG Memmingen, Urt. v. 13.11.2014 - 12 S 1140/14 -; LG Berlin, Urt. v. 29.10.2014 - 23 S 25/12 -; AG Karlsruhe, Urt. v. 09.01.2015 - 3 C 168/14 -; AG München, Urt. v. 25.02.2015 - 282 C 15477/14 -; AG Potsdam, Urt. v. 06.11.2014 - 24 C 150/14 -; AG Potsdam, Urt. v. 17.02.2015 - 29 C 272/14 ; AG Villingen-Schwenningen, Urt. v. 27.02.2015 - 11 C 153/14 -.

Landgericht Aachen

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