Rechtsanwalt Frank Feser
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Verwirkung

Allgemeines

Ein Recht ist verwirkt, wenn seit der Möglichkeit der Geltendmachung längere Zeit verstrichen ist (Zeitmoment) und besondere Umstände hinzutreten, die die verspätete Geltendmachung als Verstoß gegen Treu und Glauben erscheinen lassen (Umstandsmoment). Ferner muss sich der Verpflichtete im Vertrauen auf das Verhalten des Berechtigten in seinen Maßnahmen so eingerichtet haben, dass ihm durch die verspätete Durchsetzung des Rechts ein unzumutbarer Nachteil entstünde (schutzwürdiges Vertrauen). Es ist allgemein anerkannt, dass die Geltendmachung von Gestaltungsrechten, namentlich die Ausübung des Widerspruchsrechts, der Verwirkung unterfallen kann.

Hinweis:

BGH, Urt. v. 07.05.2014 - IV ZR 76/11 –; OLG Karlsruhe, Urteil vom 22. Mai 2015 – 12 U 122/12 (14) –, juris; OLG Stuttgart, Urt. v. 20.11.2014 - 7 U 205/12 -; LG Dresden, Urt. v. 16.04.2014 - 8 O 1265/13 -; Brand VersR 2014, 269, 275; Flume, Rechtsgeschäft, S. 122 und 125.

Im Zusammenhang mit Fällen der Rückabwicklung von Lebensversicherungen nach erfolgtem Rücktritt gem. § 8 Abs. 5 VVG a. F. bzw. Widerspruch gem. § 5a VVG a. F. differenziert die höchstrichterliche Rechtsprechung zwischen Fällen, in denen dem VN sämtliche Verbraucherinformationen rechtzeitig zuteil geworden sind, und ihm eine ordnungsgemäße Rücktritts- bzw. Widerspruchsbelehrung erteilt wurde einerseits (Fallgruppe 1) und solchen Fällen, in denen dies nicht der Fall war, weil entweder die Verbraucherinformationen nicht, nicht rechtzeitig oder nicht vollständig erteilt worden sind oder keine ordnungsgemäße Belehrung über das Rücktritts- bzw. Widerspruchsrecht erfolgte, andererseits (Fallgruppe 2).

Was die Fallgruppe 1 anbelangt, so kommt im Einzelfall eine Verwirkung des Gestaltungsrechts in Betracht.

In der Fallgruppe 2 kommt eine Verwirkung nur in besonders gravierenden Ausnahmefällen in Betracht.

Begründet wird diese Einschränkung im Wesentlichen damit, dass die Versicherung kein schutzwürdiges Vertrauen für sich in Anspruch nehmen könne, wenn sie die Situation, sei es durch unvollständige Verbraucherinformationen, sei es durch eine unterbliebene oder unzureichende Belehrung, selbst herbeigeführt hat.

Hinweis:

BGH, Urt. v. 29.07.2015 – IV ZR 448/14 -; BGH, Urt. v. 07.05.2014 - IV ZR 76/11 –; BGH, Urt. v. 22.07.2015 - IV ZR 35/14 -; BGH, Urt. v. 22.07.2015 - IV ZR 273/13 -; BGH, Urt. v. 20.05.2015 - IV ZR 505/14 -; OLG Karlsruhe, Urt. v. 09.06.2015 - 12 U 106/13 –; OLG Karlsruhe, Urteil vom 22. Mai 2015 – 12 U 122/12 (14) –, Rn. 39, juris; OLG Schleswig, Urt. v. 26.02.2015 – 16 U 61/13 –, juris; OLG Dresden, Urt. v. 24.02.2015 - 4 U 786/14 –; OLG Düsseldorf, Urt. v. 06.02.2015 - I-4 U 46/13 -; OLG Köln, Urt. v. 16.01.2015 - 20 U 124/14 -; OLG Köln, Urt. v. 19.12.2014 - 20 U 25/14 -; OLG Köln, Urt. v. 14.11.2014 - 20 U 96/14 -; OLG Köln, Urt. v. 25.09.2015 - 20 U 77/15 -; OLG Köln, Prot. v. 23.06.2015 – 20 U 61/15 –; OLG Hamm, Urt. v. 17.06.2015 - I-20 U 56/14 -; OLG München, Urt. v. 14.03.2014 - 25 U 4325/13 -; OLG Stuttgart, Urt. v. 24.11.2014 - 7 U 60/14 -; OLG Stuttgart, Urt. v. 20.11.2014 - 7 U 214/12 -; OLG Stuttgart, Urt. v. 23.10.2014 - 7 U 54/14 -; OLG Stuttgart, Urt. v. 20.11.2014 - 7 U 205/12 -; LG Stade, Urt. v. 10.03.2015 - 3 O 157/14 –; LG Zwickau, Urt. v. 28.10.2014 - 5 O 260/11 -; LG Limburg an der Lahn, Urt. v. 20.03.2015 - 3 S 138/14 –; LG Kiel, Urt. v. 07.05.2014 - 5 O 138/13 -; LG Kempten (Allgäu), Urt. v. 12.11.2014 - 52 S 655/14 -; LG Hannover, Urt. v. 23.03.2015 - 2 O 172/14 -; LG Düsseldorf, Urt. v. 17.03.2015 - 9 O 231/14 –; LG Bochum, Urt. v. 23.12.2014 - I-9 S 199/12 -; LG Berlin, Urt. v. 29.10.2014 - 23 S 25/12 -; LG Berlin, Urt. v. 24.09.2014 - 24 S 18/12 -; AG Augsburg, Beschl. v. 21.01.2014 - 72 C 2943/13 -; AG Grimma, Urt. v. 22.01.2014 - 2 C 308/13 -; AG Bad Mergentheim, Urt. v. 09.01.2015 – 2 C 114/13 –; AG Dresden, Urt. v. 04.11.2014 - 109 C 2825/14 -; AG Leipzig, Urt. v. 15.10.2014 - 109 C 10092/13 -; AG Karlsruhe, Urt. v. 09.01.2015 - 3 C 168/14 –; AG Lichtenberg, Urt. v. 21.05.2014 - 8 C 490/13 -; AG Ludwigslust, Urt. v. 01.04.2015 - 5 C 101/13 –; AG München, Urt. v. 25.02.2015 - 282 C 15477/14 -; AG Potsdam, Urt. v. 17.02.2015 - 29 C 272/14 –; AG Rheine, Urt. v. 23.03.2015 - 14 C 307/12 –; Jembrek, MDR 2014, 1242, 1245; Brand VersR 2014, 269, 275.

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