Verjährung

Allgemeine Erwägungen

Nach Art. 229 § 6 Abs. 1 Satz 1 EGBGB ist die regelmäßige dreijährige Verjährungsfrist des § 195 BGB bedeutsam. Die Regelverjährung beginnt gemäß § 199 Abs. 1 BGB grundsätzlich mit dem Schluss des Jahres, in dem der Anspruch entstanden ist und der Gläubiger von den den Anspruch begründenden Umständen und der Person des Schuldners Kenntnis erlangt oder ohne grobe Fahrlässigkeit erlangen müsste.

Anspruchsentstehung

Die Widerspruchserklärung ist entscheidend für die Entstehung des Bereicherungsanspruchs im Sinne des § 199 Abs. 1 Nr. 1 BGB.

Hinweis:

BGH, Urt. v. 29.07.2015 – IV ZR 448/14 -; BGH, Urt. v. 22.07.2015 - IV ZR 359/14 -; BGH, Urt. v. 22.07.2015 - IV ZR 35/14 -; BGH, Urt. v. 22.07.2015 - IV ZR 257/13 -; BGH, Urt. v. 22.07.2015 - IV ZR 273/13 -; BGH, Urt. v. 24.04.2013 – IV ZR 23/12 -; BGH, Urteil vom 08. April 2015 – IV ZR 103/15 –, Rn 23; BGH VersR 2014, 1065; so auch OLG Stuttgart, Urteil vom 23. Oktober 2014 - 7 U 54/14, juris Rn. 125; OLG Stuttgart, Urt. v. 20.11.2014 - 7 U 205/12 -; OLG Stuttgart, Urt. v. 24.11.2014 - 7 U 60/14 -; OLG Stuttgart, Urt. v. 20.11.2014 - 7 U 214/12 -; OLG Köln, Urt. v. 16.01.2015 - 20 U 124/14 - HDI (Aspecta); OLG Köln, Urteil vom 5. September 2014 - 20 U 88/14, juris Rn. 38; OLG Köln, Urt. v. 19.12.2014 - 20 U 25/14 -; OLG Köln, Urt. v. 07.11.2014 - 20 U 130/14 -; OLG Köln, Urt. v. 14.11.2014 - 20 U 96/14 -; OLG Düsseldorf, Hinweisbeschluss vom 12. September 2014 - I-4 U 116/13, nicht veröffentlicht, unter I 1; OLG Köln, Urt. v. 27.02.2015 - 20 U 63/14 -; OLG Düsseldorf, Urt. v. 06.02.2015 - I-4 U 46/13 -; OLG Hamm, Urt. v. 17.06.2015 - I-20 U 56/14 - Standard Life; OLG Schleswig, Urt. v. 26.02.2015 - 15 U 61/13 – TARGO; LG Köln, Urt. v. 25.03.2015 - 26 O 37/14 – HDI; LG Frankfurt (Oder), Urteil vom 1. Dezember 2014 - 16 S 240/12, nicht veröffentlicht, unter II 3; LG Kiel r+s 2014, 446 Rdn. 41; LG Memmingen, Urt. v. 13.11.2014 - 12 S 1140/14 -; LG Kempten (Allgäu), Urt. v. 12.11.2014 - 52 S 655/14 -; LG Hannover, Urt. v. 23.03.2015 - 2 O 172/14 - Zurich Dt. Herold; LG Berlin, Urt. v. 09.10.2014 - 7 O 69/14 -; AG Ludwigslust, Urt. v. 01.04.2015 - 5 C 101/13 – AachenMünchener; AG München, Urt. v. 25.02.2015 - 282 C 15477/14 - Lebensversicherung von 1871; AG Potsdam, Urt. v. 06.11.2014 - 24 C 150/14 -; Koch, LMK 2014, 359159 unter 2; Reiff, r+s 2015, 105, 114.

Der Bereicherungsanspruch wird erst fällig, sobald der Versicherungsnehmer den Widerspruch erklärt und damit dem bis dahin schwebend unwirksamen Versicherungsvertrag

Hinweis:

BGH, Urteil vom 08. April 2015 – IV ZR 103/15 –, Rn 23; so auch OLG Stuttgart, Urteil vom 23. Oktober 2014 - 7 U 54/14, juris Rn. 125; OLG Köln, Urteil vom 5. September 2014 - 20 U 88/14, juris Rn. 38; OLG Düsseldorf, Hinweisbeschluss vom 12. September 2014 - I-4 U 116/13, nicht veröffentlicht, unter I 1; LG Frankfurt (Oder), Urteil vom 1. Dezember 2014 - 16 S 240/12, nicht veröffentlicht, unter II 3; LG Kiel r+s 2014, 446 Rdn. 41; AG Ludwigslust, Urt. v. 01.04.2015 - 5 C 101/13 – AachenMünchener; AG München, Urt. v. 25.02.2015 - 282 C 15477/14 - Lebensversicherung von 1871; AG Potsdam, Urt. v. 06.11.2014 - 24 C 150/14 -; Koch, LMK 2014, 359159 unter 2; Reiff, r+s 2015, 105, 114.

endgültig die Wirksamkeit versagt. Auch wenn während der schwebenden Unwirksamkeit (noch) kein Rechtsgrund für die Prämienzahlung des Versicherungsnehmers bestand, wird erst durch den Widerspruch der Schwebezustand beendet und Klarheit geschaffen, dass dem Versicherer die geleisteten Prämien nicht zustehen. Erst nach der Entscheidung des Versicherungsnehmers, den Widerspruch zu erklären, steht fest, dass der Vertrag, den die Parteien bis dahin wie einen wirksamen Vertrag durchgeführt hatten, endgültig unwirksam ist.

Hinweis:

BGH, Urteil vom 08. April 2015 – IV ZR 103/15 –, Rn 23; so auch OLG Stuttgart, Urteil vom 23. Oktober 2014 - 7 U 54/14, juris Rn. 125; OLG Köln, Urteil vom 5. September 2014 - 20 U 88/14, juris Rn. 38; OLG Düsseldorf, Hinweisbeschluss vom 12. September 2014 - I-4 U 116/13, nicht veröffentlicht, unter I 1; LG Frankfurt (Oder), Urteil vom 1. Dezember 2014 - 16 S 240/12, nicht veröffentlicht, unter II 3; LG Kiel r+s 2014, 446 Rdn. 41; AG Ludwigslust, Urt. v. 01.04.2015 - 5 C 101/13 – AachenMünchener; AG München, Urt. v. 25.02.2015 - 282 C 15477/14 - Lebensversicherung von 1871; AG Potsdam, Urt. v. 06.11.2014 - 24 C 150/14 -; Koch, LMK 2014, 359159 unter 2; Reiff, r+s 2015, 105, 114.

Die (ältere) Gegenmeinung ging davon aus, dass der Anspruch mit jeder einzelnen Prämienzahlung beginne.

Hinweis:

LG Wiesbaden, Urteil vom 23. Dezember 2014 - 7 S 14/14, nicht veröffentlicht, S. 5 f.; LG Heidelberg, Urteile vom 25. September 2014 - 1 S 15/13, juris Rdn. 43; 1 S 8/14, juris Rdn. 44; LG Heidelberg, Urt. v. 20.03.2015 - 4 O 189/12 – Gothaer; LG Aurich, Urteil vom 5. Juni 2014 - 2 O 1164/12, nicht veröffentlicht, unter III 3; LG Frankfurt (Oder), Urt. v. 01.12.2014 - 16 S 240/12 -; Armbrüster, NJW 2014, 497, 498 und VersR 2012, 513, 522 f.; Heyers, NJW 2014, 2619, 2622; Jacob, jurisPR-VersR 8/2014 Anm. 2 unter D).

Kenntnis und grob fahrlässige Unkenntnis

Kontrovers wird diskutiert, worauf im Rahmen der subjektiven Voraussetzungen des § 199 BGB abzustellen ist. Teilweise wird auf die Kenntnis von der Möglichkeit des Widerspruchsrechts abgestellt.

Hinweis:

LG Stade, Urt. v. 10.03.2015 - 3 O 157/14 – HDI; AG Grimma, Urt. v. 22.01.2014 - 2 C 308/13 - Nürnberger Lebensversicherung AG; offen: AG Aichach, Urt. v. 09.10.2014 – 101 C 433/14 - Axa.

Eine grob fahrlässige Unkenntnis des Widerspruchsrechts wird angesichts der schwierigen und unklaren Rechtslage überwiegend verneint.

Hinweis:

OLG Dresden, Urt. v. 24.02.2015 - 4 U 786/14 – AachenMünchener; OLG Schleswig, Urt. v. 26.02.2015 - 15 U 61/13 – TARGO; OLG Stuttgart, Urt. v. 24.11.2014 - 7 U 60/14 -; LG Stade, Urt. v. 10.03.2015 - 3 O 157/14 – HDI; LG Kiel, Urt. v. 07.05.2014 - 5 O 138/13 -; LG Heidelberg, Urt. v. 20.03.2015 - 4 O 189/12 – Gothaer; LG Bochum, Urt. v. 23.12.2014 - I-9 S 199/12 -; LG Berlin, Urt. v. 24.09.2014 - 24 S 18/12 -; AG Grimma, Urt. v. 22.01.2014 - 2 C 308/13 - Nürnberger Lebensversicherung AG; AG Kiel, Urt. v. 28.02.2014 - 118 C 184/13 -; AG München, Urt. v. 25.02.2015 - 282 C 15477/14 - Lebensversicherung von 1871.

Manche Gerichte stellen darauf ab, wann der VN Kenntnis von der Entscheidung des BGH vom 07.05.2014 – IV ZR 76/11 –

Hinweis:

LG Heidelberg, Urt. v. 20.03.2015 - 4 O 189/12 – Gothaer; LG Limburg an der Lahn, Urt. v. 20.03.2015 - 3 S 138/14 – ERGO; AG Hannover, Urt. v. 05.03.2015 - 451 C 9195/14 - Liberty Europe; AG Hannover, Urt. v. 19.11.2014 - 512 C 5948/14 -.

und der Entscheidung des EuGH vom 19.12.2013

Hinweis:

AG Karlsruhe, Urt. v. 09.01.2015 - 3 C 168/14 - AachenMünchener-

erhielt. Andere heben auf die Kenntnis vom Vorlagebeschluss des BGH vom 28.03.2012 ab.

Hinweis:

AG Kiel, Urt. v. 28.02.2014 - 118 C 184/13 -.

Gestaltungsrecht

Das Widerspruchsrecht ist ein Gestaltungsrecht. Gestaltungsrechte unterliegen nicht der Verjährung. Die Fristen des § 5a VVG a. F. stellen vielmehr sog. Ausschlussfristen dar.

Hinweis:

OLG Stuttgart OLGRp 2007, 314, 316; LG Stendal, Urt. v. 12.02.2015 - 22 S 19/12 – Gothaer; LG Berlin, Urt. v. 07.11.2014 - 23 O 327/13 -; Jembrek, MDR 2014, 1242, 1245; Erman/SchmidtRäntsch, BGB, § 194 Rn. 11.

Als Ausschlussfrist, auch Verfallsfrist oder Präklusionsfrist genannt, wird im deutschen Privatrecht eine Frist bezeichnet, nach deren Ablauf Ansprüche, aber auch Rechte (auch Gestaltungsrechte) erlöschen bzw. untergehen, auch wenn der Anspruch entstanden ist.

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