Unzulässige Rechtsausübung

Unter welchen Voraussetzungen in der Geltendmachung des bereicherungsrechtlichen Anspruchs eine widersprüchliche und damit unzulässige Rechtsausübung (§ 242 BGB) liegt, wird uneinheitlich beurteilt. Widersprüchliches Verhalten ist nach der Rechtsordnung grundsätzlich zulässig und nur dann rechtsmissbräuchlich, wenn für den anderen Teil ein Vertrauenstatbestand geschaffen worden ist oder wenn andere besondere Umstände die Rechtsausübung als treuwidrig erscheinen lassen. Eine Rechtsausübung kann unzulässig sein, wenn sich objektiv das Gesamtbild eines widersprüchlichen Verhaltens ergibt, weil das frühere Verhalten mit dem späteren sachlich unvereinbar ist und die Interessen der Gegenpartei im Hinblick hierauf vorrangig schutzwürdig erscheinen. Fehlt es an einer ordnungsgemäßen Widerspruchsbelehrung, so stellt die Ausübung des Widerspruchsrechts, selbst wenn sie Jahre später erfolgt, keine unzulässige Rechtsausübung im Sinne von § 242 BGB dar, da die fehlerhafte Belehrung von der Versicherung (bzw. ihrer Rechtsvorgängerin) zu verantworten ist.

Hinweis:

BGH NJW 2014, 2646, Tz. 39 f.; BGH, Urt. v. 07.05.2014 - IV ZR 76/11 – Allianz; OLG Karlsruhe, Urt. v. 09.06.2015 - 12 U 106/13 – AachenMünchener; OLG Karlsruhe, Urteil vom 22. Mai 2015 – 12 U 122/12 (14) –, Rn. 40, juris; OLG Düsseldorf, Urt. v. 06.02.2015 - I-4 U 46/13 -; OLG Köln, Urt. v. 19.12.2014 - 20 U 25/14 -; OLG Schleswig, Urt. v. 26.02.2015 - 15 U 61/13 – TARGO; OLG Stuttgart, Urt. v. 24.11.2014 - 7 U 60/14 -; OLG Stuttgart, Urt. v. 23.10.2014 - 7 U 54/14 -; OLG Stuttgart, Urt. v. 20.11.2014 -7 U 214/12 -; OLG Stuttgart, Urt. v. 20.11.2014 - 7 U 205/12 -; LG Kempten (Allgäu), Urt. v. 12.11.2014 - 52 S 655/14 -; LG Heidelberg, Urt. v. 20.03.2015 - 4 O 189/12 – Gothaer; LG Frankfurt (Oder), Urt. v. 01.12.2014 - 16 S 240/12 -; LG Bochum, Urt. v. 23.12.2014 - I-9 S 199/12 -; AG Leipzig, Urt. v. 15.10.2014 - 109 C 10092/13 -; AG Ludwigslust, Urt. v. 01.04.2015 - 5 C 101/13 – AachenMünchener; AG Potsdam, Urt. v. 17.02.2015 - 29 C 272/14 – AachenMünchener; AG Rheine, Urt. v. 23.03.2015 - 14 C 307/12 – DEVK; Jembrek, MDR 2014, 1242, 1245.

Ist der VN selbst Versicherungsvermittler, so verhält er sich nach Auffassung des OLG Stuttgart treuwidrig, wenn er dem Vertrag erst rund 10 Jahre später widerspricht.

Hinweis:

OLG Stuttgart, Urt. v. 06.11.2014 - 7 U 147/10 -.

Manche Gerichte differenzieren nicht zwischen Verwirkung und widersprüchlicher Rechtsausübung. Das LG Leipzig wendet beide Aspekte an, wenn es neben einer jahrelangen Prämienzahlung zu vier einvernehmlichen Vertragsänderungen kam und der Vertrag vorübergehend auf einen Dritten übertragen wurde und eine Teilkündigung erfolgte.

Hinweis:

LG Leipzig, Urt. v. 01.04.2015 - 03 S 102/14 – Nürnberger.

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